Es wird, so denke ich, einmal wieder Zeit für Poesie. Passend zum - erneut - aufkeimenden Frühling ein wenig Romatik aus dem (fiktiven) ersten Band "Auf der anderen Seite".
„Das nächste mal“, ich spucke eine Mischung aus Speichel und Blut auf den Gehsteig, „warnst du mich vor.“
Sie lacht.
„Aber ich sagte doch...“
Ich interveniere.
„...Ficken und Schlagen. Ich weiß, aber ich zog das in einen direkten Kontext. Man möge diesen Fehler nachvollziehen und entschuldigen.“
Sie lacht erneut und geht einen Schritt auf mich zu und packt mir in den Schritt, während sie sanft auf mein Ohrläppchen beißt und mir ins Ohr flüstert: „Trotzdem danke. Und jetzt komm.“
Wir gehen zu ihr. Ein paar Schritte die Hauptstraße entlang. Dann durch kleinere Straßen, großenteils 30 Zonen. Niemand sagt etwas, ihre Hand ist lose in meiner und ich verspüre einen prophylaktischen Kater. Es nieselt ein wenig, aber die Luft ist warm, angenehm, beinahe wie ein Frühsommerabend an einem spanischen Strand. Ich nehme tiefe Züge und gelange zu einem langsamen Wohlsein. Der Schmerz rund um meinen Kiefer lässt nach und Stück für Stück verdränge ich die gebrochene Nase dieses primitiven Arschlochs, dessenetwegen sie mich überhaupt angerufen hatte. Ich frage auch nicht, die Antwort wäre zu ernüchternd. Sie hat gespielt, mit ihren Reizen, mit ihrem Humor und ihrem Charme. Ich würde meinen halberregierten Schwanz darauf verwetten. Aber das ist jetzt egal. Er hat den kürzeren gezogen, in doppelter Hinsicht und ich, ja ich, brauche nicht einmal mehr die typischen „Mit-nach-oben-kommen“-Floskeln zu ertragen, es wird Sex geben und diesen ebenfalls aus zweierlei Gründen. Erstens aus Dankbarkeit und zweitens weil ich einfach gut bin. Beinahe entgeht es mir, dass sie die Tür aufschließt, beinahe verfehle ich die erste Stufe, beinahe gleite ich psychisch vollkommen weg, letzendlich begreife ich aber im Treppenhaus zu sein und wir betreten ihre Wohnung. Sie hängt die Jacke an die Gaderobe und wirft den knappen Pullover weg, darunter trägt sie noch ein Top, erneut spielt sie. Seit ca. 20 Minuten haben wir kein Wort mehr gesprochen. Ich setze mich auf die Couch, nicht auf das, beinahe als Spielwiese zu bezeichnende, Bett. Ich Bestimme, glaube ich. Sie betritt mit zwei Bier in der Hand den Raum, guckt etwas enttäuscht, kurz, und lässt dann das erotische und, wenn auch nicht tödliche, so dennoch auf jeden Fall gefährliche blitzen ihrer Augen aufleuchten und setzt sicht rittlings auf meinen Schoss um die Flaschen in einer Mischung aus Erotik und Obskurität mit ihren Zähnen zu öffnen. Ich kann mich, erneut, nicht entscheiden, ob ich erotisiert oder angeekelt bin. Sie lässt mich ein paar Tropfen von ihrem Kinn lecken, bevor sie mir meine eigene Flasche reicht. Meine Marke, sie ist vorbereitet und mich überfällt eine kurze Panik. Aus Prinzip drehe ich mir eine Zigarette, während ich ihre Titten als Halter für meine Hände nutzen. Sie sagt nichts, nimmt einen kleinen Schluck und reißt mir die Zigarette aus dem Mund, kaum habe ich den ersten Zug getan. Elende Pseudonichtraucher. Für ihren Pegel äußerst elegant wirft sie sich von mir um in einer aufreizenden Stellung neben mir auf der Couch zu verharren.
„Danke“, flüstert sie und ich antworte mit einem kurzen „Gern geschehen....“, während ich mir demonstrativ den Kiefer reibe. Sie schiebt ihren rechten Fuß zwischen meine Beine und bleibt gute 5cm unter der Höhe meines Gliedes, wäre es erregiert und in der Hose eingezwängt, mit kreisenden Bewegungen, verharrend. Sicherheitsabstand und Provokation. Ich stelle fest, dass ich diese Frau liebe und ihr dennoch, während ich gerade in sie abspritze, die Kehle durchschneiden und ihr Blut trinken möchte, wobei ich mich im Endeffekt doch von diesem Gedanken, so unauffällig wie möglich, zu distanzieren versuche. Sie zieht ihren Fuß zurück und schmiegt sich, meine Körperhaltung eigenützig ändernd, an mich heran, das Maximum ihrer Dankbarkeit, Non-sexueller Kontakt, welch eine Idiotie zu meinen Gewohnheiten, vor allem, wenn ich meine Dankbarkeit für diese Geste bedenke.
Sie steht auf und holt neues Bier. In dem kurzen Durchschein erkenne ich, dass mein Bier wirklich leer ist. Sie kommt wieder, mit einem überzogenen Hüftschwung, wieder setzt sie mich rittlings auf meinen Schoss, gibt mir Bier, in verträglichen Mengen und beginnt sich fast unmerklich rythmisch auf mir zu bewegen. Sie weiß, dass ich es bemerke. Gottverdammtes Miststück. Ich beiße in ihren Hals, falle beinahe wütend über sie her, bewege mich vom Hals abwärts, mache mir etwas Platz, zieh ihr dann doch das Top aus, sie trägt inzwischen keinen BH mehr, fahre über ihre Brüste, sie stöhnt laut auf, krallt sich in meinen Haaren fest und verstärkt ihre Bewegungen, während sie auch mich auszuziehen beginnt. Ich wiederum werfe sie auf den kleinen Tisch vor uns, sie schreit auf und reagiert indem sie, mit nach wie vor unerwarteter Kraft, ihre Schenkel nutzt um mich über sie zu ziehen.
„noch nicht...“
Sie atmet inzwischen schwer und zaubert irgendwo her ein kleines Plastiktütchen hervor, ich nehme es und ziehe ihre Hose mitsamt Slip herunter und beginne ihre Fotze zu lecken, sie stöhnt auf, ich versuche den Moment, in dem sie sich verlöre, zu treffen und höre auf. Langsam träufele ich den Inhalt des Päckchens auf ihr Schambein und ziehe es Weg. Kokain und Vaginalflüssigkeit – Hell Yeah. Sie zieht die Reste von meinem Finger. Ich verteile das Pulver weiter um ihre Brustwatzen, ziehe die Lines, sie nimmt die Reste, sie muss die Kontrolle behalten, das ist ihr dank.
„Steck deinen scheiß Schwanz in meine Fotze!“, schreit sie plötzlich und packt rüde in meinen Genitalbereich, ich lasse sie gewähren, werfe sie auf den Tisch, dringe in sie ein, stoße mit den Oberschenkeln immer wieder gegen die Kante des Tisches, ignoriere den Schmerz, verkenne den Schmerz – genieße den Schmerz. Sie zieht mich runter, ich schmecke Blut, ihres, meines? Immer härter werden die Stöße, immer lauter ihr schreien, jeder Stoß wird mit einer tieferen Wunde in meinem Rücken quittiert, jeder Stoß kostet Blut, mein Blut, ihr Blut, gibt Kraft, nimmt Leben. Ich reiße sie hoch, erneut bohren sich ihre Zähnen in meinen Hals, ihre Hand krallt sich tiefer in meine Haare, während ich durch den Raum torkel und sie stürmisch auf und abfährt, bis ich sie schließlich gegen die Wand drücke und jeder weitere Stoß vom ganzen Haus aufgenommen und in vielfacher Lautstärke wiedergegeben wird, während das aufeinanderprallen zweier Körper sich mit ihren Schreien und meinem Stöhnen mischt. Sie stößt sich ab, ich torkele, sie reißt mich hinuter. Das Blut aus meiner gebrochenen Nase verteilt kleine Spritzer im Raum, ich rieche verbrannte Haut, ihre Haut unter der Bewegung auf dem Synthetikteppich. Schließlich kommt sie, presst ihre Beine zusammen, atmet einige Sekunden still, drängt mich von ihr herunter, ist über mir, nimmt meinen Schwanz in den Mund, bläst wie der Teufel, ich komme unter einem Schrei, sie erscheint wieder in meinem Blickfeld, mein Sperma tropft aus ihrem Mund, über meinen Körper, sie küsst mich, lässt mich meinen eigenen Samen schlucken, ermisst dem irgendeine Bedeutung und ist wieder verschwunden. Ich höre die Dusche. Drehe eine Zigarette, rauche sie, ziehe mich an, spüre wie die Kleidung sich im Blut verklebt, ignoriere es – muss los.
Auf der Straße scheint es bereits heller zu sein. Die Laternen brennen aber noch. Ich wickele mich in meinen Mantel, verdränge den Gedanken an die Schmerzen, welche ich fühlen werde, wenn das Kokain nachlässt. Überlege eine Taxi zu nehmen, sehe dann aber ein, dass kein Fahrer mich aufnehmen würde und laufe die wenigen Kilometer zu meiner Wohnung. Während ich die Türe öffne denke ich über Normalität nach, verwerfe den Gedanken, nehme einen tiefen Schluck aus der Wodkaflasche und falle auf mein Bett. Ich werde sie vergessen, bis sie wieder anruft – bald!
Mittwoch, 19. Mai 2010
Sonntag, 16. Mai 2010
Warum rot-rot-grün nötig ist
Die FDP hat die Tür zugemacht, offiziell. Ob sie nun überhaupt eine Tür geöffnet haben oder sich im Endeffekt doch noch dazu entschließen könnten sei einmal dahingestellt. Will man der FDP nicht die Rolle des Retters des Landes zugestehen - und das kann niemand wollen - dann muss man nun endlich das Sondieren beenden und mit dem Koalieren beginnen. Und das mit rot-rot-grün.
Eine große Koalition wäre fatal für das Land NRW: So wichtig es auch wahr, dass rot-grün Anno 2005 abgelöst wurde, so wichtig ist es nun, dass das System Rüttgers entfernt wird, bevor es sich festzeckt. Schwarz-gelb in NRW, das ist der Inbegriff von Entdemokratisierung und Günstlingswirtschaft. Pinkwart der Innovator und Rüttgers der Arbeiterführer, ein Traum-Duo - zumindest nach Aussen. Vor allem die Hochschulen können ein Lied von der Innovationskraft des Herrn Pinkwart erzählen. Es ging dabei um nichts anderes, als eine Diktatur der Privatwirtschaft.
Auch der Arbeiterführer Rüttgers ist angekratzt. Mag seine Herkunft ihm geholfen haben, so ist sie nicht länger ausreichend, um die Missstände seiner Politik zu überdecken.
Doch warum nun rot-rot-grün? Ideologisch stünde diese Koalition konträr zur Alten. Hier ist die Linke als Faktor + sicherlich nicht zu verachten. Während die SPD und Grüne bereits etabliert sind, hat die Linke noch den Biss junger ParlamentarierInnen und ist noch nicht allzusehr von der Pragmatik des politischen Alltages geprägt. Hier ergäben sich sicherlich Chancen zu einer wirklichen Veränderung. Denn wer mit frischem Blut von der Straße kommt hat noch genug Idealismus im Kopf um sich wirklich um die Veränderung der bestehenden Verhältnisse zu kümmern. Was für die SPD generell im großen Maße passt, passt für die SPD in NRW im speziellen im Kleinen: Für eine Zusammenarbeit mit der Linken müssen sie sich re-sozialdemokratisieren. Diese Chance darf nicht verpasst werden.
Eine große Koalition wäre fatal für das Land NRW: So wichtig es auch wahr, dass rot-grün Anno 2005 abgelöst wurde, so wichtig ist es nun, dass das System Rüttgers entfernt wird, bevor es sich festzeckt. Schwarz-gelb in NRW, das ist der Inbegriff von Entdemokratisierung und Günstlingswirtschaft. Pinkwart der Innovator und Rüttgers der Arbeiterführer, ein Traum-Duo - zumindest nach Aussen. Vor allem die Hochschulen können ein Lied von der Innovationskraft des Herrn Pinkwart erzählen. Es ging dabei um nichts anderes, als eine Diktatur der Privatwirtschaft.
Auch der Arbeiterführer Rüttgers ist angekratzt. Mag seine Herkunft ihm geholfen haben, so ist sie nicht länger ausreichend, um die Missstände seiner Politik zu überdecken.
Doch warum nun rot-rot-grün? Ideologisch stünde diese Koalition konträr zur Alten. Hier ist die Linke als Faktor + sicherlich nicht zu verachten. Während die SPD und Grüne bereits etabliert sind, hat die Linke noch den Biss junger ParlamentarierInnen und ist noch nicht allzusehr von der Pragmatik des politischen Alltages geprägt. Hier ergäben sich sicherlich Chancen zu einer wirklichen Veränderung. Denn wer mit frischem Blut von der Straße kommt hat noch genug Idealismus im Kopf um sich wirklich um die Veränderung der bestehenden Verhältnisse zu kümmern. Was für die SPD generell im großen Maße passt, passt für die SPD in NRW im speziellen im Kleinen: Für eine Zusammenarbeit mit der Linken müssen sie sich re-sozialdemokratisieren. Diese Chance darf nicht verpasst werden.
Sonntag, 2. Mai 2010
Zur Lage der Nation
Der erste Mai verlief ruhig. Das ist die einhellige Meinung der Berliner Polizei und Berlins erster Zeitung, der taz. Die Frage ist nun: Was sagt uns das? Man mag zu den Ausschreitungen am ersten Mai stehen wie man möchte, Fakt ist: In Hamburg und - vorallem - Berlin zeigt sich einmal im Jahr wo der Stimmungspegel im Lande - abseits der bürgerlichen Presse - denn so steht. Ein ruhiger erster Mai kann dabei einiges bedeuten. Entweder der Krawalltourismus hat endlich aufgehört, die Resignation ist gestiegen oder dem Kuschelkurs der Gewerkschaften im letzten Jahr folgt jetzt auch die alternative Szene. Kommen wir zu einer Bestandsaufnahme.
Auch ohne das Rettungspaket für Griechenland hat Herr Dr. Schäuble einen Parteigenossen in Sachen Rekord abgelöst. Nach Waigel ist er nun der Minister, welche die höchste Neuverschuldung in Deutschland zu, nunja, verschulden hat. Die Systemfrage jedoch stellt sich nach wie vor niemand und nicht einmal eine innersystemische Frage, nämlich die nach Verantwortlichkeien, wird wahrlich laut gestellt. Wer ist denn nun eigentlich Schuld? Der Geldgeber oder der Geldnehmer? Andes gefragt: Durfte man das radikale, strukturelle Defizit Griechenlands so lange unterstützen und: Warum zahlt man nun nicht einmal selbst die Zeche für seine Fehleinschätzungen? Das Thema Griechenland scheint jedoch nicht auf dem Tableau zu stehen, auch die rechtsradikale Szene wusste dies zu verhindern, warum?
Eigentlich ist es schon merkwürdig, dass NPD und Co nicht die Füße stillhalten und den Hass gegen den Kapitalismus soweit hochkochen lassen, dass es wieder zu einer radikalen Trennung zwischen bürgerlicher Meinung und linker Intellektueller kommt. Stattdessen bemühte man sich an diesem ersten Tag im Mai um sichtbare Zeichen und schuf somit Platz für breite und solidarische Demonstrationen gegen Rechts. Dabei sollte es den Verantwortlichen doch eigentlich klar sein, dass sie mit einer generellen Kapitalismuskritik erst dann punkten können, wenn es wieder zur Genüge Abstand zur Linken gibt. Schlagen wir den Bogen nach NRW.
Die Utopie, die Sozialfaschisten jener, so genannten, Freien Liberalen von der Regierungsbank in die APO zu schicken, wird eine bleiben. Die Frage warum der DGB sich nicht klar gegen eine schwarz-gelbe Regierung stellt, steht gerade deswegen im Raum. Auch Herr Sommer bot Herrn Dr. Rüttgers nicht die Stirn und versuchte dessen, anscheinend funktionierenden, Generierungsversuche als Arbeiterführer zu verhindern. Schade.
Was bleibt also vom ersten Mai? Alles ist wie immer, nur ein bisschen anders.
Achja, am 05.05. geht es übrigens in Düsseldorf wieder auf die Straße. "Wähl deine Bildungsperspektive" - ab 11 Uhr am Hauptbahnhof.
Auch ohne das Rettungspaket für Griechenland hat Herr Dr. Schäuble einen Parteigenossen in Sachen Rekord abgelöst. Nach Waigel ist er nun der Minister, welche die höchste Neuverschuldung in Deutschland zu, nunja, verschulden hat. Die Systemfrage jedoch stellt sich nach wie vor niemand und nicht einmal eine innersystemische Frage, nämlich die nach Verantwortlichkeien, wird wahrlich laut gestellt. Wer ist denn nun eigentlich Schuld? Der Geldgeber oder der Geldnehmer? Andes gefragt: Durfte man das radikale, strukturelle Defizit Griechenlands so lange unterstützen und: Warum zahlt man nun nicht einmal selbst die Zeche für seine Fehleinschätzungen? Das Thema Griechenland scheint jedoch nicht auf dem Tableau zu stehen, auch die rechtsradikale Szene wusste dies zu verhindern, warum?
Eigentlich ist es schon merkwürdig, dass NPD und Co nicht die Füße stillhalten und den Hass gegen den Kapitalismus soweit hochkochen lassen, dass es wieder zu einer radikalen Trennung zwischen bürgerlicher Meinung und linker Intellektueller kommt. Stattdessen bemühte man sich an diesem ersten Tag im Mai um sichtbare Zeichen und schuf somit Platz für breite und solidarische Demonstrationen gegen Rechts. Dabei sollte es den Verantwortlichen doch eigentlich klar sein, dass sie mit einer generellen Kapitalismuskritik erst dann punkten können, wenn es wieder zur Genüge Abstand zur Linken gibt. Schlagen wir den Bogen nach NRW.
Die Utopie, die Sozialfaschisten jener, so genannten, Freien Liberalen von der Regierungsbank in die APO zu schicken, wird eine bleiben. Die Frage warum der DGB sich nicht klar gegen eine schwarz-gelbe Regierung stellt, steht gerade deswegen im Raum. Auch Herr Sommer bot Herrn Dr. Rüttgers nicht die Stirn und versuchte dessen, anscheinend funktionierenden, Generierungsversuche als Arbeiterführer zu verhindern. Schade.
Was bleibt also vom ersten Mai? Alles ist wie immer, nur ein bisschen anders.
Achja, am 05.05. geht es übrigens in Düsseldorf wieder auf die Straße. "Wähl deine Bildungsperspektive" - ab 11 Uhr am Hauptbahnhof.
Sonntag, 4. April 2010
Von der Regierungsbank in die APO - Ein verträumter Ausblick
Es dauert wahrlich nicht mehr lange, dann wird in Deutschlands "wichtigstem" Bundesland gewählt. Die Frage, wie diese Wahl ausgehen wird, beschäftigt auch die Bundesvorstände der Parteien mehr als es andere Landtagswahlen täten. Immerhin geht es um eine Bundesratsmehrheit - aber auch um eine ideologische Frage.
Eine rot-rot-grüne Koalition in NRW würde das erste echte Linksbündnis Deutschlands bedeuten. Ist der nordrhein-westfälische Landesverband auch, mit negativen Konnotationen, als Haufen von Sektiereren und Fundis verschrien, so ist er doch wahrscheinlich als einziger nicht primär linkspopulitisch, sondern kommunistisch und sozialistisch geprägt, während die Freien Demokraten in NRW sich, vor allem auch in Person von Prof. Dr. Andreas Pinkwart, als neoliberaler und antisozialer Landesverband beweisen. CDU und SPD sind im bevölkerungsreichsten Bundesland weitesgehend auf einer Ebene, die Grünen dürften interessant werden. Die Frage bleibt nun also, welche Koalitionsmöglichkeiten gibt es, welche wären wünschenswert und welche wahrscheinlich.
1. Schwarz/Gelb: Eine Fortführung der bestehenden Koalition ist NRWs worst-case scenario. Die zunehmende Durchsetzungsfähigkeit Pinkwarts in der Bundespolitik schlägt jetzt schon unschöne Blüten. So ist das Stipendienprogramm, welches die FDP in NRW durchgesetzt hat, eine durchsichtige Strategie zur Umverteilung von unten nach oben. Eine weitere Fortsetzung, welche auch die sukzessive Fortsetzung der Kürzung von Kulturbudgets bedeuten würde, führte ganz NRW in ein riesiges Metropolis.
2. Schwarz/Grün: Das heimliche Turteln und tauschen von Zettelchen von Grünen und CDU sind auch in NRW bekannt. Die Grünen wollen Bildungsgebühren abschaffen, die CDU will das nicht. In anderen Bundesländern zeigt sich jedoch, dass die CDU bzgl. Bildungspolitik gerne das Zepter abgibt. Auch die maroden Straßen in NRW könnten es der CDU ermöglichen weiträumige Tempolimits mit zu tragen. Mitten in einem Industrieballraum dürfte es jedoch zu unüberwindlichen Divergenzen in der Wirtschaftspolitik kommen.
3. Rot/Grün: Das Gegenstück zu schwarz/gelb ist sicher ein praktikabeles Mittel. Die Grünen könnten die SPD in sichere Bahnen leiten und dort halten. Andererseits dürfte der Grüne Landesverband in NRW zu stolz sein, um sich als kleinen Koalitionsbruder abstempeln zu lassen.
4. Schwarz/Rot: Die große Koalition bedeute Stillstand heißt es allenthalben. Diese Koalition wäre sicher auch primär auf Bundesebene nützlich. Die SPD könnte den starken Landesverband der Christdemokraten auf Bundesebene etwas bremsen und so positiv auf die Bundespolitik einwirken. Für NRW jedoch brächte die Koalition wenig und würde sicherlich nachhaltig dem Ansehen der SPD schaden.
5. Rot/Rot/Grün: Die Linken in NRW auf der Regierungsbank wären ein interessantes Novum. Doch wird der Landesverband zu zerstritten sein, um wirklich konstruktive Arbeit zu leisten. Andererseits würde sich die (radikale) Linke sicherlich als Kommunikationsstimulator bemerkbar machen und bundesweit einen Diskurs über längst überfällige Reformen anstossen können.
Ob das Parlament ab Mai nun aus drei, vier oder fünf Parteien bestehen wird bleibt ab zu warten. Mich persönlich freute es natürlich, wählte man die FDP aus dem Parlament, neuste Umfragen machen diesbezüglich leider wenig Hoffnung. Was auch passieren möge, eine wirklich Traumkoalition gibt es nicht. Vielleicht wären 60% ungültige Stimmzettel mal ein Zeichen.
Achja, und eine Wahlbeteiligung von über 60% wäre wünschenswert...
Eine rot-rot-grüne Koalition in NRW würde das erste echte Linksbündnis Deutschlands bedeuten. Ist der nordrhein-westfälische Landesverband auch, mit negativen Konnotationen, als Haufen von Sektiereren und Fundis verschrien, so ist er doch wahrscheinlich als einziger nicht primär linkspopulitisch, sondern kommunistisch und sozialistisch geprägt, während die Freien Demokraten in NRW sich, vor allem auch in Person von Prof. Dr. Andreas Pinkwart, als neoliberaler und antisozialer Landesverband beweisen. CDU und SPD sind im bevölkerungsreichsten Bundesland weitesgehend auf einer Ebene, die Grünen dürften interessant werden. Die Frage bleibt nun also, welche Koalitionsmöglichkeiten gibt es, welche wären wünschenswert und welche wahrscheinlich.
1. Schwarz/Gelb: Eine Fortführung der bestehenden Koalition ist NRWs worst-case scenario. Die zunehmende Durchsetzungsfähigkeit Pinkwarts in der Bundespolitik schlägt jetzt schon unschöne Blüten. So ist das Stipendienprogramm, welches die FDP in NRW durchgesetzt hat, eine durchsichtige Strategie zur Umverteilung von unten nach oben. Eine weitere Fortsetzung, welche auch die sukzessive Fortsetzung der Kürzung von Kulturbudgets bedeuten würde, führte ganz NRW in ein riesiges Metropolis.
2. Schwarz/Grün: Das heimliche Turteln und tauschen von Zettelchen von Grünen und CDU sind auch in NRW bekannt. Die Grünen wollen Bildungsgebühren abschaffen, die CDU will das nicht. In anderen Bundesländern zeigt sich jedoch, dass die CDU bzgl. Bildungspolitik gerne das Zepter abgibt. Auch die maroden Straßen in NRW könnten es der CDU ermöglichen weiträumige Tempolimits mit zu tragen. Mitten in einem Industrieballraum dürfte es jedoch zu unüberwindlichen Divergenzen in der Wirtschaftspolitik kommen.
3. Rot/Grün: Das Gegenstück zu schwarz/gelb ist sicher ein praktikabeles Mittel. Die Grünen könnten die SPD in sichere Bahnen leiten und dort halten. Andererseits dürfte der Grüne Landesverband in NRW zu stolz sein, um sich als kleinen Koalitionsbruder abstempeln zu lassen.
4. Schwarz/Rot: Die große Koalition bedeute Stillstand heißt es allenthalben. Diese Koalition wäre sicher auch primär auf Bundesebene nützlich. Die SPD könnte den starken Landesverband der Christdemokraten auf Bundesebene etwas bremsen und so positiv auf die Bundespolitik einwirken. Für NRW jedoch brächte die Koalition wenig und würde sicherlich nachhaltig dem Ansehen der SPD schaden.
5. Rot/Rot/Grün: Die Linken in NRW auf der Regierungsbank wären ein interessantes Novum. Doch wird der Landesverband zu zerstritten sein, um wirklich konstruktive Arbeit zu leisten. Andererseits würde sich die (radikale) Linke sicherlich als Kommunikationsstimulator bemerkbar machen und bundesweit einen Diskurs über längst überfällige Reformen anstossen können.
Ob das Parlament ab Mai nun aus drei, vier oder fünf Parteien bestehen wird bleibt ab zu warten. Mich persönlich freute es natürlich, wählte man die FDP aus dem Parlament, neuste Umfragen machen diesbezüglich leider wenig Hoffnung. Was auch passieren möge, eine wirklich Traumkoalition gibt es nicht. Vielleicht wären 60% ungültige Stimmzettel mal ein Zeichen.
Achja, und eine Wahlbeteiligung von über 60% wäre wünschenswert...
Freitag, 5. März 2010
Ruhr 2010
Juhu, ich lebe in einer Kulturhauptstadt. Nun, das stimmt nicht so ganz, immerhin ist Essen die eigentliche Kulturhauptstadt, aber irgendwie soll sich doch jeder im Ruhrgebiet damit identifizieren können, somit tue ich es auch. Es war auch wahrlich eine Freude zu erfahren, dass das MiR (Musiktheater im Revier) so wunderbar renoviert wurde, es ist ebenso wunderbar, dass der Umbau von Bergwerksbarracken in Orte der Kunst sukzessive vorangetrieben wird, aber eines, dass ist definitiv nicht schön und genau dieses kommt aus dem Herzen der Kulturhauptstadt: Einsparungen.
Ca. 18% ihres jetzigen Förderetats sollen die Theater der Stadt Essen bis 2013 einsparen, ein heerer Verlust, welcher sicherlich die Zerstörung ganzer Sparten und die Schließung einer Theater nach sich ziehen wird.
Dabei hat sich Essen bisher kuturell immer gut darstellen können. Eine umfassende Kinokultur mit viel Programmkino, eine Philarmonie, der Saalbau zumindest NRW weit bekannt und auch die vielen kleinen Theater ermöglichten ein umfassendes Angebot von Spaß- bis Hochkultur.
Dass die Essener Stadtspitze dem jedoch nicht allzu gewogen gegenüber stand zeigte bereits das letzte Essen Origina, an welchem man lieber gegen bilige Allgemeinplätze polemisierte, anstatt das kulturell so vielfätige Angebot der Bühnen zu fördern, welche einem Bochum Total in nichts nach stehen.
Die Stadt Essen genißet, im Vergleich zu manchen Nachbarstädten, auch durch ihre Universität ein gewisses Ansehen. Eine Universität, vor allem ab einer gewissen Größe, bietet immer ein wenig Glanz. Jedoch auch hier zeigt sich wenig Begeisterung.
Generell schafft es die Kulturhauptstadt Ruhr2010 erstaunlich schnell, nämlich noch im selben Jahr, ihren Verfall zu beginnen.
Achja, irgendwie ist das schon typisch Ruhrgebiet.
Ca. 18% ihres jetzigen Förderetats sollen die Theater der Stadt Essen bis 2013 einsparen, ein heerer Verlust, welcher sicherlich die Zerstörung ganzer Sparten und die Schließung einer Theater nach sich ziehen wird.
Dabei hat sich Essen bisher kuturell immer gut darstellen können. Eine umfassende Kinokultur mit viel Programmkino, eine Philarmonie, der Saalbau zumindest NRW weit bekannt und auch die vielen kleinen Theater ermöglichten ein umfassendes Angebot von Spaß- bis Hochkultur.
Dass die Essener Stadtspitze dem jedoch nicht allzu gewogen gegenüber stand zeigte bereits das letzte Essen Origina, an welchem man lieber gegen bilige Allgemeinplätze polemisierte, anstatt das kulturell so vielfätige Angebot der Bühnen zu fördern, welche einem Bochum Total in nichts nach stehen.
Die Stadt Essen genißet, im Vergleich zu manchen Nachbarstädten, auch durch ihre Universität ein gewisses Ansehen. Eine Universität, vor allem ab einer gewissen Größe, bietet immer ein wenig Glanz. Jedoch auch hier zeigt sich wenig Begeisterung.
Generell schafft es die Kulturhauptstadt Ruhr2010 erstaunlich schnell, nämlich noch im selben Jahr, ihren Verfall zu beginnen.
Achja, irgendwie ist das schon typisch Ruhrgebiet.
Freitag, 26. Februar 2010
Deutsche Diskurskultur
Eigentlich ist es schon ekelhaft satirisch, was dort in den letzten Wochen durch die Medien läuft. Sei es Außenminister Guido Westerwelle, welcher seinen Sozialfaschismus mit falscher liberaler Ideologie würzt oder Robert Zollitsch, welcher Selbstverständlichkeiten als Revolution verkauft - und dies leider nicht einmal zu Unrecht - und natürlich nicht zuletzt der deutsche Feuilleton in der Diskussion um Frau Hegemann. Das diese Persivitäten, von letzterer einmal abgesehen, wenn auch nur in einem innerfeuilletistischen Streit, nicht für einen Aufschrei sorgen ist ein Armutszeugnis für die deutsche Bevölkerung. Doch gehen wir der Reihe nach.
Dass die FDP zwangsweise provozieren muss, bewies ihr Vorsitzender in den letzten Tagen zur Genüge. Es reichte nicht der subtile Rassismus des Europawahl Plakates ("Bildung ist ein Bürgerrecht"), nein, nun wird der Vorschlaghammer ausgepackt. Jene stark rechtsliberale Ausrichtung der FDP, welche linksliberale Parteimitglieder schon länger beklagen, zeigt sich nun von ihrer schwärzesten Seite: Das die FDP sich weit rechts von der CDU ansiedeln würde, das hätte wohl niemand gedacht. Doch Westerwelle versteht es geschickt, sich einer breiten Bevölkerungsschicht zu nähren. Arbeitslose sind tendenziell keine FDP-Wähler und verbitterte Niedriglöhner sind wahrscheinlich leichter auf zu hetzen, als es die Führung einer konstruktiven Debatte um einen Mindestlohn wäre.
Der "liberale" Primus hat dabei nun auch schon lange nicht mehr ein aufstrebendes Bildungsbürgertum jüngerer Generation vor Augen, dieses zieht eher zu den Grünen, sondern verträumte Kapitalisten des amerikanischen Standarts; Menschen also, welche unreflektiert dem Traum des sozialen Aufstieg nachhängen. Spräche Westerwelle eine junge Intellektuelle an, so wären seine Worte geschickter gewählt. Der Begriff der Dekadenz ist für eine kontroverse Debatte geeignet, aber jedoch vollkommen unpassend im Bezug auf die Thematik. Westerwelle als Usurpator des Dialoges über den Sozialstaat bedeutet also die Abkehr von einer ernsthaften Auseinandersetzung hin zu einer Kultur der billigen Propaganda - hier kann von Dekadenz die Rede sein. Der Außenminister drängt, so denke ich, sukzessive zu einer Reideoligisierung der Politik und dies vor allem mit einem Ziel: Jeden zu diffamieren, welcher von sozialer Gerechtigkeit spricht und dies mit dem Argument der Leistungsgerechtigkeit. Was Westerwelle sagt - bei gleichen Chancen habe ein Jeder das Heft selbst in der Hand - ist so nicht einmal falsch, es ist lediglich unrealistisch, zumindest innerhalb eines kapitalistischen Systems.
Doch die Frage ob ein System die notwendigen Opfer auffangen muss, welche seine Sieger erzeugen stellt sich nicht nur bei Deutschlands schlimmsten Außenminister seit 1945, sondern auch bei der italienischen Institution für organisierte Verbrecher, der katholischen Kirche.
Robert Zollitsch, Vorsitzender der Bischofskonferenz gab just heute bekannt, die katholische Kirche werde in Zukunft bei Missbrauchsfällen mit der Staatsanwaltschaft zusammen arbeiten, die deutsche Politik begrüßt dies.
Begrüßenswert ist dies durchaus, andererseits jedoch auch eine Selbstverständlichkeit, welche seit Jahren missachtet wurde. Über die gesamte Zeit ihres Bestehens hinweg weißt die Kirche erstaunlich viele Fälle von Morden, Vergewaltigung und Kriegen auf. Keinem anderen Staat außer dem Vatikan würde so viel Diplomatie gegenüber gebracht, hätte er eine Herrscherreihe, welche sich dieser Verbrechen schuldig gemacht habe.
Schon seit mehreren Jahrzehnten gibt es Untersuchungen über die Verbindung der strengen sexuellen Moralvorstellungen der Kirche und dem überproportional häufig auftretenden Misshandlungen Schutzbefohlener in dieser Institution. All jene Studien führten so äquivalenten Ergebnissen: Es gibt eine Verbindung.
Die Gegenwehr der Kirche erfolgte auch in diesen Tagen wie absehbar. Bischof Mixa beschuldigte die pornographisierte Gesellschaft Schuld an den Vorfällen zu haben. Das dies im Widerspruch zu dem Sachverhalt steht scheint dem dreisten Pfaffen nicht bewusst, denn nicht in der aufgeklärten Gesellschaft, sondern im moralischen Korsett des organisierten Christentums entstand der corpus delicti. Aber auch hier debattiert das deutsche Volk nicht fleißig, lehnt sich nicht auf und stellt nicht einmal die Frage, warum der Staat Steuern für eine Institution eintreibt, welche sich immernoch dagegen wehrt ihre Rolle im Nationalsozialismus aufzuklären.
Die Fälle von tausendfachen Vergewaltigungen in den USA hatten damals weltweit für Entsetzen gesorgt, die Fälle von hundertfachen Vergewaltigungen in Irland, vom Vatikan mit schützender Hand gedeckt, erweckten ebenfalls einen Aufschrei, auch die Fälle in Deutschland taten dies, jedoch konsequenzenlos.
Armes Deutschland lässt sich da nur sagen.
Ach übrigens, ob Helene Hegemann nun geklaut hat oder nicht sei mir vollkommen egal. Es spricht jedoch für das kulturelle Verständnis der Deutschen, dass sie zu 95% nicht wissen, worum es in der Debatte geht.
Dass die FDP zwangsweise provozieren muss, bewies ihr Vorsitzender in den letzten Tagen zur Genüge. Es reichte nicht der subtile Rassismus des Europawahl Plakates ("Bildung ist ein Bürgerrecht"), nein, nun wird der Vorschlaghammer ausgepackt. Jene stark rechtsliberale Ausrichtung der FDP, welche linksliberale Parteimitglieder schon länger beklagen, zeigt sich nun von ihrer schwärzesten Seite: Das die FDP sich weit rechts von der CDU ansiedeln würde, das hätte wohl niemand gedacht. Doch Westerwelle versteht es geschickt, sich einer breiten Bevölkerungsschicht zu nähren. Arbeitslose sind tendenziell keine FDP-Wähler und verbitterte Niedriglöhner sind wahrscheinlich leichter auf zu hetzen, als es die Führung einer konstruktiven Debatte um einen Mindestlohn wäre.
Der "liberale" Primus hat dabei nun auch schon lange nicht mehr ein aufstrebendes Bildungsbürgertum jüngerer Generation vor Augen, dieses zieht eher zu den Grünen, sondern verträumte Kapitalisten des amerikanischen Standarts; Menschen also, welche unreflektiert dem Traum des sozialen Aufstieg nachhängen. Spräche Westerwelle eine junge Intellektuelle an, so wären seine Worte geschickter gewählt. Der Begriff der Dekadenz ist für eine kontroverse Debatte geeignet, aber jedoch vollkommen unpassend im Bezug auf die Thematik. Westerwelle als Usurpator des Dialoges über den Sozialstaat bedeutet also die Abkehr von einer ernsthaften Auseinandersetzung hin zu einer Kultur der billigen Propaganda - hier kann von Dekadenz die Rede sein. Der Außenminister drängt, so denke ich, sukzessive zu einer Reideoligisierung der Politik und dies vor allem mit einem Ziel: Jeden zu diffamieren, welcher von sozialer Gerechtigkeit spricht und dies mit dem Argument der Leistungsgerechtigkeit. Was Westerwelle sagt - bei gleichen Chancen habe ein Jeder das Heft selbst in der Hand - ist so nicht einmal falsch, es ist lediglich unrealistisch, zumindest innerhalb eines kapitalistischen Systems.
Doch die Frage ob ein System die notwendigen Opfer auffangen muss, welche seine Sieger erzeugen stellt sich nicht nur bei Deutschlands schlimmsten Außenminister seit 1945, sondern auch bei der italienischen Institution für organisierte Verbrecher, der katholischen Kirche.
Robert Zollitsch, Vorsitzender der Bischofskonferenz gab just heute bekannt, die katholische Kirche werde in Zukunft bei Missbrauchsfällen mit der Staatsanwaltschaft zusammen arbeiten, die deutsche Politik begrüßt dies.
Begrüßenswert ist dies durchaus, andererseits jedoch auch eine Selbstverständlichkeit, welche seit Jahren missachtet wurde. Über die gesamte Zeit ihres Bestehens hinweg weißt die Kirche erstaunlich viele Fälle von Morden, Vergewaltigung und Kriegen auf. Keinem anderen Staat außer dem Vatikan würde so viel Diplomatie gegenüber gebracht, hätte er eine Herrscherreihe, welche sich dieser Verbrechen schuldig gemacht habe.
Schon seit mehreren Jahrzehnten gibt es Untersuchungen über die Verbindung der strengen sexuellen Moralvorstellungen der Kirche und dem überproportional häufig auftretenden Misshandlungen Schutzbefohlener in dieser Institution. All jene Studien führten so äquivalenten Ergebnissen: Es gibt eine Verbindung.
Die Gegenwehr der Kirche erfolgte auch in diesen Tagen wie absehbar. Bischof Mixa beschuldigte die pornographisierte Gesellschaft Schuld an den Vorfällen zu haben. Das dies im Widerspruch zu dem Sachverhalt steht scheint dem dreisten Pfaffen nicht bewusst, denn nicht in der aufgeklärten Gesellschaft, sondern im moralischen Korsett des organisierten Christentums entstand der corpus delicti. Aber auch hier debattiert das deutsche Volk nicht fleißig, lehnt sich nicht auf und stellt nicht einmal die Frage, warum der Staat Steuern für eine Institution eintreibt, welche sich immernoch dagegen wehrt ihre Rolle im Nationalsozialismus aufzuklären.
Die Fälle von tausendfachen Vergewaltigungen in den USA hatten damals weltweit für Entsetzen gesorgt, die Fälle von hundertfachen Vergewaltigungen in Irland, vom Vatikan mit schützender Hand gedeckt, erweckten ebenfalls einen Aufschrei, auch die Fälle in Deutschland taten dies, jedoch konsequenzenlos.
Armes Deutschland lässt sich da nur sagen.
Ach übrigens, ob Helene Hegemann nun geklaut hat oder nicht sei mir vollkommen egal. Es spricht jedoch für das kulturelle Verständnis der Deutschen, dass sie zu 95% nicht wissen, worum es in der Debatte geht.
Dienstag, 2. Februar 2010
Antwort von Stefan Luther
Sehr geehrter Herr Lucas,
Ihre email an Bundesministerin Annette Schavan haben wir erhalten. Wie Sie wissen, ist die Ministerin mit allen Beteiligten im Gespräch, um die Situation für die Studierenden zu verbessern. Exemplarisch verweise ich auf die angestrebte BAföG-Erhöhung zum Herbst sowie die politischen Beschlüsse von Kultusminister- und Hochschulrektorenkonferenz. Ihre Unterstellungen im Zusammenhang mit den Vorgängen in Frankfurt weise ich jedoch entschieden zurück.
Mit freundlichen Grüßen
Stefan Luther
Es gibt doch nichts schöneres als umfassende Antworten.
Ihre email an Bundesministerin Annette Schavan haben wir erhalten. Wie Sie wissen, ist die Ministerin mit allen Beteiligten im Gespräch, um die Situation für die Studierenden zu verbessern. Exemplarisch verweise ich auf die angestrebte BAföG-Erhöhung zum Herbst sowie die politischen Beschlüsse von Kultusminister- und Hochschulrektorenkonferenz. Ihre Unterstellungen im Zusammenhang mit den Vorgängen in Frankfurt weise ich jedoch entschieden zurück.
Mit freundlichen Grüßen
Stefan Luther
Es gibt doch nichts schöneres als umfassende Antworten.
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